Wie es begann:

 

Am Samstag, 16. März 2013 erzählte mir ein Freund, der Vornbacher Landwirt Fritz Kindermann, man hätte ihn um eine Unterschrift gebeten bezüglich eines auf dem Nachbargrundstück geplanten Sendemastens für den sog. "TETRA-Funk". Er habe diese Unterschrift natürlich verweigert, ebenso wie dies auch ein weiterer angrenzender Nachbar,  Hans Hölzl, getan hatte.

Man hätte beiden aber zu verstehen gegeben, dass die Unterschriftenverweigerung sowieso ohne Bedeutung sei, da der Sender auch ohne deren Zustimmung gebaut werden würde.

 

Wir konnten schnell in Erfahrung bringen, dass der TETRA-Funkmast ganze 45 Meter hoch werden sollte, ...und das bei uns, im schönen Vornbach, einem Ort der im Landschaftsschutzgebiet "Vornbacher Inn-Enge" liegt und als beliebtes Naherholungsgebiet für den Raum Passau gilt!

 

Dass die Grundstücksbesitzerin, auf deren Grund der TETRA-Mast errichtet werden soll, bereits einen Vorvertrag mit der Firma TELENT geschlossen hatte, war auch schnell klar.

 

Fritz Kindermann bat mich nun, ich möge mich als Arzt doch mal informieren, wozu dieses Funksystem eigentlich notwendig sei und ob man nicht etwas dagegen tun könne.


Ich machte mich sofort an die Recherche. Ich muss zugeben, dass mir bis zu diesem Zeitpunkt der Begriff „TETRA“ nur als Getränkeverpackung bekannt war.
Was ich zum Thema TETRA-Funk via Internet aber fand, schockierte mich zunehmend und nahm mich auch mehr und mehr gefangen.
Ich erfuhr jetzt, dass der TETRA-Funk, das seit Jahren geplante „neue“ Digitalfunksystem für den Funkverkehr von Polizei, Rettungsdiensten und Feuerwehr sein soll.


Nur: Das System ist alles andere als modern und effizient, es gilt als äußerst störanfällig, enorm teuer und obendrein noch aufgrund seiner sehr negativen Pulsungsfrequenzen als massiv gesundheitsgefährdend!

 

Im Weiteren musste ich feststellen, dass den TETRA-Funk keiner so richtig haben will, nicht mal die späteren Nutzer von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr, deren Gewerkschaften ja ebenfalls die potentielle Gesundheitsgefährdung anmahnen und auf weitere Überprüfung und Studien drängen.


Am wenigsten aber freuen sich die betroffenen Bürger der Gemeinden, in denen die hässlichen Sendemasten aufgestellt werden sollen und damit das Orts- oder Landschaftsbild zerstören und obendrein eine Gesundheitsgefährdung für alle Anwohner bedeuten.

 

Ich konnte über zwei Telefonate (eines mit einem Passauer Polizisten, das andere mit einem Mitarbeiter der Passauer Rettungsleitstelle) auch herausfinden, dass das sog. "Analogfunk-System" im Passauer Raum noch zuverlässig und gut funktioniert.

 

Warum müssen die Sender dann trotzdem gebaut werden? ... fragte ich mich.

 

Im Internet konnte ich auch sehen, dass es bayern- ja deutschlandweit viele Protestgruppen gibt, die sich gegen die Einführung des TETRA-Funks in ihren Gemeinden wehren. Mit einer davon nahm ich Kontakt auf.


Ich fand die Telefonnummer einer Aktivistin, Johanna Schwaiger aus Inzell (Aktion "Bürger für ein strahlungsarmes Inzell") und setzte mich mit ihr in Kontakt.

 

Im Gespräch mit der höchst engagierten jungen Frau wurde mir klar, dass auch bei uns in Vornbach akuter Handlungsbedarf gegeben ist.

 

Johanna Schwaiger stellte freundlicherweise den Kontakt zu Professor Dr. Klaus Buchner her, der als Physiker an der TU München, am Max-Planck-Institut und auch an mehreren Zentren im Ausland geforscht hat und über die Grenzen Deutschlands hinaus als einer der gefragtesten Experten und Mahner in Sachen TETRA-Funk gilt.


Ich war begeistert, dass uns Prof. Buchner sofort seine Unterstützung zusagte und wir einen Vortragstermin mit ihm bei uns in Vornbach für den 16. April vereinbaren konnten.

 

Von meinem Freund Josef Mayerhofer, der einer der beiden in Vornbach wohnenden Gemeinderäte, ist, erfuhr ich, dass das Thema "TETRA-Funkmast" bereits bei der Gemeinderatssitzung am Dienstag, 02. April als Tagesordnungspunkt gelistet ist (Anmerkung des Verfassers: Die Gemeinde Neuhaus setzt sich aus mehreren Dörfern und Weilern zusammen, nämlich: Neuhaus, Mittich, Reding, Vornbach, Rothof).
Er riet mir dringend, als Zuschauer zu dieser Sitzung zu kommen. 


Wir fassten den Entschluss, uns mit anderen Vornbachern zusammenzutun und eine Bürgerinitiative zu gründen.

 

Josef Mayerhofer informierte im Vorfeld schon mal den Bürgermeister über die vielen negativen Auswirkungen des TETRA-Funkmastens für den Ort Vornbach sowie über die Bedenken der Anwohner.

 

Auch ich habe zweimal selbst mit dem Bürgermeister in Sachen TETRA-Funk telefoniert, um ihm von meinen bisherigen Internet-Recherchen zu berichten. Ich erzählte ihm, dass auf der sehr informativen Seite www.diagnose-funk.org viele wichtige Informationen zum Thema TETRA-Funk zu finden wären, und ließ ihm einige PDF-Ausdrucke vom dort empfohlenen "TETRA-Funk-Moratorium" zukommen. Ich bat ihn eindringlich, sich für uns Vornbacher einzusetzen.

 

Fritz Kindermann, meine Frau Uta und ich fuhren dann also am Abend des 02. Aprils zur Gemeinderatssitzung und setzten uns mehr oder weniger "hoffnungsvoll" auf die hinten im Raum für Zuhörer aufgestellten Stühle. Wir mussten noch einige andere Tagesordnungspunkte abwarten, bis endlich "unser Thema" drankam.

 

Was wir allerdings dann miterleben mussten - mehr oder weniger "hilflos"- weil wir uns ja aufgrund der Sitzungsordnung nicht selbst zu Wort melden konnten, hat unseren Adrenalinspiegel gewaltig in die Höhe getrieben.

 

Mit verharmlosenden Beschreibungen und auch zum Teil irreführenden Begründungen wurde der TETRA-Funkmast nun durch den Bürgermeister den mehr oder weniger "arglosen" Gemeinderäten präsentiert.
Gott-sei-Dank gab es von einigen Gemeinderäten durchaus ein paar kritische Einwände und Nachfragen!

Der in der weiteren Diskussion geäußerte Vorschlag seitens des Bürgermeisters, man könne den 45 Meter hohen Masten eventuell auf die andere Strassenseite versetzen, dann wäre er ja hinter dem dort befindlichen lichten Fichtenbestand (Anm. des Verfassers: der ist gerade mal 20 Meter hoch!) mehr oder weniger versteckt, konnte uns nicht wirklich befriedigen, und hätte ja wohl keinerlei Auswirkung auf die Strahlenbelastung für die Vornbacher bedeutet.

 

Von Gesundheitsgefährdung durch TETRA-Funk war übrigens nie die Rede!


Als quasi „Höhepunkt“ der Ausführungen des Neuhauser Bürgermeisters wurde dann den Gemeinderäten noch die Argumentation vorgetragen, dass, falls man sich gegen die Aufstellung eines TETRA-Mastens generell wehren sollte, der Gemeinde dann später eventuell Fördergelder für die Anschaffung der Endgeräte für ihre Feuerwehren gestrichen werden könnten!
(Anmerkung des Verfassers: Ja geht´s denn no besser?! Ja, wo samma denn da? Im Deutschland des 21. Jahrhunderts?....oder vielleicht doch noch im finsteren Mittelalter?)

Immerhin: Auf den von uns organisierten Informationsabend am 16. April wurde seitens des Bürgermeisters hingewiesen.

 

Fritz Kindermann, Uta und ich verließen also schwer enttäuscht, aber mit ansteigendem "Widerstandshormon-Spiegel" die Sitzung.

 

Gleich am nächsten Tag gründeten wir die "Vornbacher Bürgerinitiative gegen TETRA-Funk".

 

Noch während der Sprechstunde am Vormittag telefonierte ich mit einem Mitarbeiter der Gemeinde Neuhaus, berichtete ihm von unserer großen Enttäuschung vom Vorabend und bat ihm um eine Liste der Adressen aller Gemeinderäte.

Auf seine Nachfrage erzählte ich ihm von meinem Vorhaben, einen Infobrief zum Thema an alle Gemeinderäte zu schicken. Darin wollte ich jedem noch mal explizit die Gefahren des TETRA-Funks aufzeigen und um Unterstützung werben. 

 

Noch am selben Tag ließ der Bürgermeister - wohl als Reaktion darauf - die beschönigenden Info-Seiten des Staatsministeriums zum Thema TETRA-Funk an alle Gemeinderäte (übrigens als bis dato erste "Fachinformation" von seiner Seite) per E-Mail versenden.


Mein Brief per Post erreichte die Gemeinderäte erst einen Tag später.

 

Jetzt formierte sich in Vornbach der Widerstand: Josef Mayerhofer und ich besprachen das weitere Vorgehen und beschlossen eine Plakataktion.

 

Am 4. April entwickelte ich mit meinem Freund, dem Passauer Grafiker Richard Bauer, in einer "Nachtaktion" unser "Widerstandsplakat" mit dem Motto "Vornbach wehrt sich gegen TETRA-Funk!".

 

Wir ließen 1000 Infoblätter DIN A4 - dank Vermittlung meines Freundes trotz der aus Zeitgründen erforderlichen Samstagszustellung zu Top-Konditionen - drucken. Zwei Din A1-Plakate vom selben Motiv ließ ich im Copyshop in Passau drucken.

 

Hugo und Elisabeth Donaubauer, die Bäckersleut´ der gleichnamigen Vornbacher Dorfbäckerei und auch Wolfgang Resch, der Wirt des Gasthauses Resch in Vornbach, erklärten sich sofort zur Unterstützung bereit und hängten die Plakate gut sichtbar in ihren Geschäften aus.

Dort startete bereits am Samstag die Info- und Unterschriften-Aktion für die Vornbacher Bevölkerung, die sich seither sehr großer Resonanz bei allen Vornbachern und sogar bei Leuten aus den Nachbargemeinden erfreut.

 

Auch die Vornbacher Gemeinderätin, Carola Resch-Wawra, schloß sich der Bürgerinitiative sofort an.

 

Am Sonntag verteilten wir in einer konzertierten Aktion unsere Infoblätter an alle Vornbacher Haushalte. Auch unsere Kinder halfen beim Austeilen mit.  Wir unterhielten uns mit Mitbürgern aller Altersgruppen, und waren beeindruckt von den vielen positiven Reaktionen.

 

Besonders gefreut hat uns das spontane Angebot des 11-jährigen Vornbacher Schülers Jakob Nagel, der vorschlug, er werde das Thema in der Schule mit seiner Lehrerin besprechen und vorschlagen, im Kunstunterricht Plakate für unsere Aktion zu malen.

 

Aus den vielen Beispielen von mehr oder weniger frustranen Verläufen anderer Aktionen erkannten wurde uns jetzt klar, dass es wenig Sinn macht, in relativ kleinen Gruppen nur gegen das jeweilige Projekt vorort zu protestieren.

Nein: Wir müssen uns in großen Gruppen flächendeckend formieren und mit allen gemeinsam für das alleinig erstrebenswerte Ziel kämpfen, nämlich dem Stopp des TETRA-Funks deutschlandweit und der Suche nach gesundheitsverträglichen Alternativen!


Unsere „Widerstandsplakate“ mit dem Aufruf an alle Bürger, sich in ihren jeweiligen Gemeinde vorort zum Thema TETRA-Funk zu erkundigen, hängen seit Sonntagabend übrigens auch schon in anderen Lokalitäten , z.B. im "Cafe Museum" in Passau (www.cafe-museum.de) aus!

 

Ein besonders wichtiger Teil unserer Aktion, war es auch, einen Brief an die Besitzerin des Grundstücks, auf dem der TETRA-Funkmast gebaut werden soll, zu verfassen und sie zu bitten, von dem Vorvertrag mit der Betreiberfirma zurückzutreten.


Josef Mayerhofer und ich haben diesen am Abend des 08.April 2013 um 21:30 Uhr persönlich vorbeigebracht.

Nach unserem Gespräch mit der Verpächterin hegen wir die Hoffnung, dass sie nach dem jetzt erstmaligen Erhalt von umfassenderen Informationen über TETRA-Funk, sich unserer Bewegung anschließt.

 

Das Ziel der Vornbacher Bürgerinitiative gegen TETRA-Funk ist es nicht nur, die Errichtung des drohenden Funkmastens vorort zu verhindern.  Wer die Gefahren, die von TETRA-Funk ausgehen, erkannt hat, weiß, dass es nicht viel Sinn macht, das Problem nur vor der eigenen Haustür bekämpfen zu wollen. 

Alle Menschen in Bayern und in den anderen Bundesländern sind der gleichen Situation ausgesetzt.

 

Denn fast überall wird meistens  "still und heimlich" d.h. ohne vorherige Information der Bevölkerung, das TETRA-Funksystem dem Bürger „vor die Nase gepflanzt“.

 

Wir wollen mit unseren Aktionen auch anderen betroffenen Gemeinden in Bayern und anderen Bundesländern, deren Bürgerinnen und Bürger  genauso wie wir von TETRA-Funk bedroht sind,  Mut machen, dahingehend, dass sie auf keinen Fall den Kampf gegen die Einführung der TETRA-Funktechnik für verloren glauben! 

 

Im Moment ist es Mittwoch, der 10. April, 02:30 Uhr: Wir sitzen zu fünft im Grafikbüro.   Die beiden "grafischen Kreativköpfe" Richard Bauer und der junge Abiturient Leo Binder (der heute mal ausnahmsweise auf seine Abiturvorbereitung verzichtet hat, um unsere Idee zu unterstützen) arbeiten an mehreren Computern gleichzeitig.

Kulinarisch betreut uns und mit manch´ guter Idee inspiriert uns auch meine Kollegin, die Kinderärztin Dr. Manuela Bauer, die nur vom kleinen, 4 Monate alten Davis und seinem Hunger für gelegentliche Stillpausen "abgezogen" wird.

Seit 8 Stunden gestalten wir nun die Homepage unserer Vornbacher Bürgerinitiative gegen TETRA-Funk, und ich versuche unsere bisherigen Aktivitäten festzuhalten und wage einen Blick in die Zukunft, in der hoffentlich viele andere Initiativgruppen durch unsere Arbeit inspiriert und ihrem Kampf gegen den TETRA-Funk gestärkt werden. 

 

Es tut, trotz aller Mühe, die wir im Moment und in den letzten Tagen auf uns nehmen, sehr gut, die große Solidarität im Dorf und die Kraft, die davon ausgeht, zu erleben! 

 

Wir würden uns riesig freuen, wenn der Funke unseres "Solidaritäts-Spirits" auch auf andere Gemeinden, die sich wehren möchten, überspringen würde!  


Das Argument, es wäre zwecklos sich zu wehren, weil das "Ganze" ja beschlossene Sache von "oben" sei, stößt uns ungeheuer übel auf und löst erst-recht die massive Ausschüttung von Widerstandshormonen aus!!!!! 

 
Wenn´s nur der Beschluss des Verkehrsministeriums wäre, Zebrastreifen künftig gelb zu streichen, würden wir uns nicht aufregen.


Aber: Wenn die Gesundheit und Lebensqualität von uns und unseren Kindern auf dem Spiel steht, müssen wir uns wehren!

 

Für die Vornbacher Bürgerinitiative: 

 

Dr. Ronny Weikl